Wer sich selbstständig machen möchte, muss verschiedene organisatorische, steuerliche und praktische Punkte klären. Die folgende Checkliste gibt Ihnen eine strukturierte Übersicht – von der ersten Geschäftsidee bis zum Start der Kundengewinnung.
1. Geschäftsidee und Positionierung
- Geschäftsidee konkretisieren
- Zielgruppe definieren
- Problem bzw. Bedarf der Zielgruppe bestimmen
- Leistungen und Produkte festlegen
- Alleinstellungsmerkmale herausarbeiten
- Geschäftsmodell festlegen
- Preise kalkulieren
- Umsatz- und Gewinnziel definieren
- Businessplan erstellen, sofern sinnvoll oder erforderlich
- Finanzierungsbedarf ermitteln
2. Freiberuflich oder gewerblich?
- Prüfen, ob die Tätigkeit freiberuflich oder gewerblich ausgeübt wird
- Bei Unsicherheit Finanzamt oder Steuerberatung einbeziehen
- Bei Gewerbetätigkeit Gewerbe anmelden
- Bei freiberuflicher Tätigkeit steuerliche Erfassung beim Finanzamt durchführen
Die Einordnung hängt von der konkreten Tätigkeit ab. Die Bezeichnung „Selbstständiger“ allein entscheidet nicht darüber, ob eine Tätigkeit freiberuflich oder gewerblich ist.
3. Anmeldung und Behörden
- Fragebogen zur steuerlichen Erfassung ausfüllen
- Steuernummer beantragen
- Prüfen, ob Umsatzsteuer berechnet werden muss
- Kleinunternehmerregelung prüfen
- Vorauszahlungen berücksichtigen
- Falls erforderlich: Gewerbeanmeldung
- Falls erforderlich: Eintragung in Berufsregister oder Kammern
- Branchenspezifische Genehmigungen prüfen
4. Geschäftskonto und Finanzen
- Separates Geschäftskonto einrichten
- Einnahmen und Ausgaben organisieren
- Rücklagen für Steuern bilden
- Betriebsausgaben erfassen
- Belege digital archivieren
- Rechnungsnummernsystem festlegen
- Zahlungsfristen festlegen
- Mahnprozess definieren
- Monatliche Einnahmen und Ausgaben kontrollieren
Ein separates Geschäftskonto ist nicht für jede Form der Selbstständigkeit zwingend vorgeschrieben, erleichtert aber die Trennung von privaten und geschäftlichen Finanzen erheblich.
5. Buchhaltung und Steuern
- Buchhaltungssystem auswählen
- Rechnungssoftware einrichten
- Steuerberater beauftragen oder Buchhaltung selbst organisieren
- Einkommensteuer berücksichtigen
- Umsatzsteuer berücksichtigen, sofern relevant
- Gewerbesteuer prüfen, sofern gewerblich
- Aufbewahrungspflichten beachten
- Steuerliche Fristen im Kalender hinterlegen
6. Versicherungen und Absicherung
Je nach Tätigkeit können unterschiedliche Versicherungen relevant sein:
- Krankenversicherung klären
- Pflegeversicherung berücksichtigen
- Altersvorsorge planen
- Berufshaftpflicht prüfen
- Betriebshaftpflicht prüfen
- Berufsunfähigkeitsversicherung prüfen
- Rechtsschutzversicherung prüfen
- Weitere branchenspezifische Versicherungen prüfen
Welche Versicherungen tatsächlich sinnvoll oder erforderlich sind, hängt stark von Ihrer Tätigkeit ab.
7. Angebot und Preise
- Leistungen klar definieren
- Leistungsumfang schriftlich festlegen
- Preise kalkulieren
- Zahlungsbedingungen definieren
- Anzahlungen prüfen
- Stornierungsbedingungen festlegen
- Umgang mit Zusatzleistungen definieren
- Korrekturschleifen bzw. Änderungswünsche regeln
- Angebote und Verträge vorbereiten
Gerade bei Dienstleistungen sollte möglichst klar geregelt sein, was im vereinbarten Preis enthalten ist.
8. Rechtliche Grundlagen
- Allgemeine Geschäftsbedingungen prüfen, sofern benötigt
- Verträge vorbereiten
- Impressum erstellen
- Datenschutzerklärung erstellen
- Datenschutzprozesse prüfen
- Widerrufsrecht prüfen, sofern relevant
- Urheberrechte und Nutzungsrechte klären
- Branchenspezifische Vorschriften prüfen
Bei rechtlichen Texten sollte im Zweifel eine fachkundige Prüfung erfolgen.
9. Corporate Design und Marke
Bevor Sie mit der Kundengewinnung starten, sollten Sie festlegen, wie Ihr Unternehmen nach außen auftreten soll.
- Unternehmensname festlegen
- Logo entwickeln
- Farben definieren
- Schriftarten festlegen
- Bildsprache definieren
- Gestaltungselemente entwickeln
- Corporate-Design-Richtlinien dokumentieren
Ein einheitliches Erscheinungsbild erleichtert die spätere Gestaltung von Website, Visitenkarten, Präsentationen, Social Media und weiteren Kommunikationsmitteln.

10. Website
- Domain sichern
- E-Mail-Adresse mit eigener Domain einrichten
- Website konzipieren
- Leistungen darstellen
- Über-mich-/Über-uns-Seite erstellen
- Referenzen integrieren
- Kontaktmöglichkeit einrichten
- Call-to-Action definieren
- Impressum einfügen
- Datenschutzerklärung einfügen
- Mobile Darstellung prüfen
- Ladezeiten prüfen
- Kontaktformular testen
Die Website sollte nicht nur informieren, sondern Besuchern möglichst klar zeigen, was Sie anbieten und wie sie mit Ihnen Kontakt aufnehmen können.

11. Kommunikationsmaterialien
Je nach Geschäftsmodell können beispielsweise folgende Materialien sinnvoll sein:
- Visitenkarten
- Briefpapier
- Angebotsvorlage
- Rechnungsvorlage
- Präsentationsvorlage
- Flyer
- Broschüre
- Social-Media-Vorlagen
- E-Mail-Signatur
- ggf. Beschilderung
12. Kundengewinnung vorbereiten
- Zielkunden definieren
- Akquisewege auswählen
- Empfehlungsmarketing aufbauen
- Social-Media-Profile einrichten
- LinkedIn-Profil optimieren, falls relevant
- Google-Unternehmensprofil prüfen, falls relevant
- Referenzen sammeln
- Kundenstimmen einholen
- Erstkontakt-Prozess definieren
- Angebotserstellung standardisieren
- Follow-ups planen
13. Organisation
- E-Mail-System einrichten
- Kalender organisieren
- Aufgabenmanagement einrichten
- CRM auswählen
- Dokumentenablage strukturieren
- Backup-System einrichten
- Passwortmanager verwenden
- Zeiterfassung einrichten, falls sinnvoll
- Prozesse für Angebote und Rechnungen definieren
14. Vor dem ersten Kunden
Vor dem tatsächlichen Start sollten Sie möglichst folgende Punkte erledigt haben:
- Angebot steht
- Preise stehen
- Zahlungsbedingungen stehen
- Website ist online
- Kontaktmöglichkeiten funktionieren
- Rechnungsvorlage ist fertig
- Verträge sind vorbereitet
- Buchhaltung ist eingerichtet
- geschäftliche E-Mail-Adresse funktioniert
- wichtige Versicherungen sind geklärt
- Kundengewinnung kann beginnen
15. Die ersten 30 Tage
Nach dem Start geht es vor allem darum, tatsächlich Kunden und Aufträge zu gewinnen.
Woche 1
- Positionierung überprüfen
- Website fertigstellen
- Angebote vorbereiten
- erste Kontakte aktivieren
Woche 2
- persönliche Kontakte ansprechen
- Empfehlungen nutzen
- Akquise starten
- relevante Plattformen und Netzwerke nutzen
Woche 3
- erste Gespräche auswerten
- häufige Kundenfragen dokumentieren
- Angebot gegebenenfalls verbessern
- Website anhand der Rückmeldungen optimieren
Woche 4
- Anfragen und Angebote auswerten
- Abschlussquote betrachten
- Umsatz und Kosten kontrollieren
- Kundengewinnung systematisieren
Kompakte Checkliste zum Abhaken
Geschäft
- Geschäftsidee
- Zielgruppe
- Positionierung
- Angebot
- Preise
- Geschäftsmodell
Formalitäten
- Freiberuflich/gewerblich geklärt
- Finanzamt
- Steuernummer
- ggf. Gewerbeanmeldung
- ggf. Genehmigungen
Finanzen
- Geschäftskonto
- Buchhaltung
- Rechnungen
- Steuerrücklagen
- Versicherungen
Außenauftritt
- Name
- Logo
- Corporate Design
- Domain
- E-Mail-Adresse
- Website
- Kommunikationsmaterialien
Kundengewinnung
- Zielkunden
- Akquise
- Empfehlungen
- Online-Präsenz
- Referenzen
- Kundenbewertungen
- Follow-up-Prozess
Organisation
- Kalender
- CRM
- Dokumentenablage
- Backup
- Verträge
- Angebotsvorlagen
Fazit
Sie müssen nicht jeden Punkt gleichzeitig erledigen. Entscheidend ist, zunächst die Grundlagen zu schaffen: Angebot, Zielgruppe, Formalitäten, Finanzen, professioneller Auftritt und Kundengewinnung.
Danach können Sie Ihre Prozesse Schritt für Schritt professionalisieren und die Selbstständigkeit weiter ausbauen.

FAQs: Selbstständig machen
Sie sollten unter anderem Geschäftsidee, Zielgruppe, Angebot, Preise, steuerliche Anmeldung, Versicherungen, Buchhaltung und Kundengewinnung klären.
Nicht immer. Ob eine Gewerbeanmeldung erforderlich ist, hängt davon ab, ob Ihre Tätigkeit als Gewerbe oder als freiberufliche Tätigkeit eingestuft wird.
In der Regel erfolgt die steuerliche Erfassung über das Finanzamt. Eine Gewerbeanmeldung ist bei einer tatsächlich freiberuflichen Tätigkeit grundsätzlich nicht erforderlich.
Das hängt stark von der Tätigkeit ab. Während manche Dienstleistungen mit vergleichsweise geringen Investitionen starten können, benötigen andere Geschäftsmodelle beispielsweise Räumlichkeiten, Maschinen, Waren oder umfangreiche Software.
Nicht jede Selbstständigkeit benötigt einen ausführlichen Businessplan. Eine einfache Finanz- und Geschäftsplanung ist jedoch sinnvoll, um Einnahmen, Kosten, Preise und den notwendigen Umsatz zu kalkulieren.
Das hängt von Ihrer Tätigkeit und persönlichen Situation ab. Die Kranken- und Pflegeversicherung müssen geklärt werden; zusätzlich können beispielsweise Berufs- oder Betriebshaftpflicht sowie weitere Versicherungen relevant sein.
Eine Website ist nicht für jede Tätigkeit zwingend erforderlich. Für viele Selbstständige ist sie jedoch ein wichtiges Instrument, um Leistungen zu präsentieren, Vertrauen aufzubauen und neue Kunden zu gewinnen.
Mögliche Wege sind persönliche Empfehlungen, bestehende Kontakte, Direktakquise, Kooperationen, soziale Netzwerke, Suchmaschinen, lokale Sichtbarkeit und eine professionelle Website.
Das lässt sich nicht pauschal beantworten. Entscheidend sind Ihre privaten und betrieblichen Kosten, Steuern, Versicherungen, Rücklagen und der gewünschte Gewinn. Daraus lässt sich ein individuelles Mindestumsatzziel berechnen.
Idealerweise sind Angebot und Preise festgelegt, die steuerlichen Grundlagen geklärt, Rechnungen und Verträge vorbereitet, die Buchhaltung eingerichtet und die wichtigsten Kontakt- und Kommunikationsmittel einsatzbereit.